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Orgelbaumeister Conrad Geißler

 
Spätromantische Orgeln des 19. Jahrhunderts - ein Begriff, hinter dem klangvolle Namen wie Sauer, Schlag und Walcker stehen, oder in Sachsen Jehmlich, Eule, Kreutzbach. Der vierte im Bunde steht zu Unrecht in deren Schatten: Conrad Geißler in Eilenburg. Dabei lag Eilenburg tatsächlich - nämlich politisch - für die Sachsen im Abseits: seit 1815 gehörte die Stadt als Provinz Sachsen zu Preußen. Kaum industriell geprägt, war die flache Landschaft für den Orgelbauer ein mühsames Brot. Wenn überhaupt konnten sich die ländlichen Kirchengemeinden nur kleine Orgeln leist. Trotzdem - Geißler schaffte es nicht nur, 120 (121) Orgeln zu vollenden, sondern zeitlebens sich auch noch zu behaupten gegen Nicolaus Schrickel, einen Orgelbaumeister, der sich kurz zuvor ebenfalls in Eilenburg ansässig gemacht hatte.

Conrad Geißler wurde am 18. Mai 1825 in Eilenburg geboren. Über sein Leben ist noch wenig bekannt. Sein Vater Gottfried war Seminardirektor in Eilenburg. Die Schreibweise des Namens lautet wahrscheinlich richtig GEISSLER, während die spätere Orgelbauliteratur die Schreibweise GEIßLER benutzt. Conrad Geißler spielte selbst Orgel, mit 20 Jahren spielte er gemeinsam mit seinem Vater ein vierhändiges Orgelstück zum Einweihungskonzert der neuen Eilenburger Stadtkirchenorgel von Ludwig Weineck (Juni 1845). Das Orgelbauhandwerk erlernte er wahrscheinlich bei dem in seiner Heimatstadt seit mindestens 1839 ansässigen Orgelbauer Ludwig Weineck. Als dieser 1845 (oder Ende 1844) seinen Betrieb nach Bayern verlegte, folgte ihm Geißler kurzzeitig (eine Windladeninschrift von ihm 1846 in Bayreuth ist bekannt), begab sich danach aber auf Wanderschaft - die damals übliche Methode, um bei anderen Orgelbauern Erfahrungen zu sammeln und das eine oder andere nützliche kennenzulernen. Geißler arbeitete bei dem bedeutenden J. G. Mende in Leipzig (1846-48), den Orgelbauern Ullmann in Wien (1848-1850), Maerz in München (1850-51), kurz bei der seinerzeit schon berühmten Werkstatt E. F. Walcker in Ludwigsburg (1851) und zuletzt bei G. Schlimbach in Speyer (1851-52).

1852 gründete Geißler inzwischen Orgelbaumeister, in Eilenburg eine eigene Orgelbaufirma. Sein Erstlingswerk stand in der katholischen Kirche in Torgau. Geißlers erste Orgeln besitzen das damals hochmoderne System der mechanischen Kegellade, das erst 1842 von Eberhard Walcker in Ludwigsburg erfunden wurde. Die große Orgel in Profen bei Zeitz von 1853 - Geißlers opus 2 - ist somit wahrscheinlich die älteste noch heute erhaltene größere Kegelladenorgel in Ostdeutschland. Mit dieser Orgel verschaffte sich Geißler Anerkennung und Beachtung. Die damals einzige Orgelbauzeitschrift Deutschlands, die Urania, brachte 1854 eine sehr lobende Beschreibung. Ein guter Start für den jungen Orgelbauer, dem es fortan an Neubauaufträgen nicht mangelte.

Nach den wenigen Kegelladenorgeln zwischen 1853 und 1856 (nachweisbar sind Profen, Mockritz, Schöna, Hohenlubast) kehrte Geißler zurück zur klassischen mechanischen Schleiflade, demjenigen System der Windverteilung in der Orgel, das bereits seit Jahrhunderten im Orgelbau angewandt wurde und auch heute als Ideal gilt. Anders als der experimentierfreudige Schrickel hat er jedoch die Konstruktion seiner Orgeln nach bewährten Prinzipien angelegt. Dadurch hat er nicht nur eine bessere Funktionssicherheit erreicht, sondern die meisten seiner Orgeln sind bis heute in gutem Zustand und spielbar erhalten. Geißler hat sowohl klassische Wellenbretter bzw. -rahmen, als auch Strahlenmechaniken mit Winkeln und auch Wellenrahmen mit querliegenden Wellen gebaut, bei einem großen Teil der Orgeln sogar kleinere ein Hinterwerk als II. Manual, wobei die Hinterwerkslade stets mit der Hauptwerkslade verbunden, aber nicht durchschoben ist (Schrickel baute dagegen für seine Hinterwerke stets separate Laden, oft legte er das II. Manual als Unterwerk unter die hochgestellte Pedallade). Das Pedal steht bei Geißler immer hinten in der Orgel ebenerdig. Fast durchweg sind die Windladen in C- und Cs-Seite aufgeteilt. Bei einmanualigen- und Orgeln mit Hinterwerk stehen die tiefen Pfeifen überwiegend außen, in den Pedal- und den Oberwerken dagegen fast immer in der Mitte. Als Gebläse bevorzugte Geißler bei größeren Orgeln die seinerzeit modernen Kastenbälge, die an vielen Orgeln erhalten sind (Mockritz, Krostitz, Seyda, Schweinitz) in der Ausführung als Stöpselbälge (Cylinderbälge). Kleinere Orgeln haben Parallelfaltenbälge mit 2 darunterliegend Keilschöpfbälgen, die mit einem Handhebel wechselweise zugleich bedient werden und bei kleineren einmanualigen Orgeln direkt im Unterbau der Orgel untergebracht sind (z.B. Gentha, Zemnick). Auf das Kalkentenglöckchen - als richtiges Messingglöckchen ausgeführt - hat Geißler nie verzichtet, selbst wenn der Calcant nur um die Ecke stand. Manual- und Pedalkoppel sind ansonsten die einzigen Spielhilfen. Viele Orgeln haben zur Symmetriewahrung noch einen funktionslosen vacat-Zug. Die Klaviaturen haben stets weiße Untertasten (belegt mit gebleichten Knochen, die Obertasten mit Ebenholz). Die frühen großen Orgeln haben noch farbige Registerschilder, später sind alle Schilder weiß, dafür mit HW, OW und P gekennzeichnet. Die Spieltischgestaltung (rötliches Mahagonifurnier, schwarzer Leistenrahmen um das Vorsatzbrett), hat Geißler zeitlebens kaum verändert. Typisch sind auch die Firmenschildchen, auf den ab opus 100 die Opusnummer verzeichnet ist. Einige Orgeln zwischen 1885/93 besitzen außerdem auf der Rückseite der Spieltischfüllung handgeschriebene Erbauerinschriften von Geißler (Döbern, Staupitz, Dahlenberg). Technische Raffinessen wie Octavkoppeln oder Schwebung hat Geißler nie gebaut. Auch Schwellwerke hat Geißler - im Gegensatz zu Schrickel, der sie teilweise bereits bei kleinsten Orgeln mit 10 Registern baute - nur in seinen größten, 3-manualigen Orgeln sowie in der Eilenburger Bergkirchenorgel gebaut (das Schwellwerk in Jessen (1868 II+P/21) ist laut den Akten erst 1932 von Sauer gebaut worden, hatte aber möglicherweise einen Vorgänger von Geißler).

Klanglich orientierte sich Geißler bei seinen ersten Orgeln am ehesten an seinem Leipziger Lehrmeister Johann Gottlob Mende, dem Erbauer der großen Universitätskirchenorgel in Leipzig, technisch hingegen an Eberhard Friedrich Walcker, dem großen Protagonisten der mechanischen Kegellade. Viele Ähnlichkeiten bestehen auch zu Friedrich Ladegast aus Weißenfels, für den Geißler zwischen 1864 und 1873 mehrere Orgelneubauten ausgeführt hat (Mölkau-Zweinaundorf, Großsärchen, Knautnaundorf, Leipzig-Thonberg). Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Geißler ein Schüler Ladegasts war ( wie gelegentlich in der Literatur behauptet), denn 1852 war die Ladegast-Werkstatt eine unbedeutende, erst wenige Jahre alte kleine Werkstatt.Ebenso wenig lässt sich eine Beziehung Geißlers zur sächsischen Silbermannschule feststellen. Sein einziger nachgewiesener sächsischer Lehrmeister Mende war Schüler von Karl Heinrich Albrecht von Knoblauch, von dem ebenfalls keine Beziehung zu einem Silbermannschüler bekannt ist. Allerdings hat Mende sehr stark die sächsische Orgelbautradition aufgegriffen und an Geißler weitergegeben.

Typisch für Geißler ist der noch ganz in klassisch-sächsischer Orgelbautradition gebaute kräftige, markige - aber nicht schrille - Plenumklang der Prinzipalregister und der kraftvolle, füllige Tuttiklang seiner Orgeln. Der Principalchor ist - auch bei kleinen Cornett voll ausgebaut. Auch Oberwerke der größeren zweimanualigen Orgeln besitzen noch einen Principalchor (einschließlich Mixtur) auf Geigenprincipalbasis. Bei kleineren zweimanualigen Orgeln fehlt der Principalchor allerdings im 2. Manual. Mixturen sind meist 3- bis 4-fach und beginnen bei kleineren und mittleren Orgeln auf 1 1/3`(auch bei den Spätwerken, z.B. Sitzenroda 1897!), bei großen Orgeln (ab ca. 18 Registern) auf 2`, und repetieren auf c, c`und c``. Pedal haben die übliche Besetzung Subbaß 16´und Octavbaß 8`, bei mittelgroßen Orgeln noch Violon 16` und danach Posaune 16`.

Zum Principalchor gesellt sich der typische Grundbestand charakteristischer Register der Romantik: Gedackt, Hohl-, Doppel-, Traversflöte, Viola die Gamba, Salicional, bis um 1880 auch Quintatön in 8`-Lage, Geigenprincipal, Fugara, Gemshorn, Rohrflöte, Hohlflöte oder Flaut minor, Gedeckt in 4`-Lage, Bordun und Violon in 16`-Lage. Die Traversflöten baut Geißler aus Holz, jedoch - im Gegensatz zu Schrickel - fast immer im Diskant ab g` überblasend (Ausnahme z. B. Eilenburg 1864). Dabei sind teilweise runde gebohrte Pfeifen (meist Ahorn, z.T. Birne), aber auch traditionelle viereckige Pfeifen, jeweils mit kreisrunden Labien und Anblasvorrichtungen von außen, zu finden. Bordun 16` ist bei kleineren Orgeln oft erst ab c gebaut, die tiefe Octave ist nach einem der 8`-Register verführt. Desgleichen ist Principal 8` bei vielen kleinen Orgelen erst ab c (bestenfalls schon ab B, A oder G) gebaut - die tiefen Töne sind meist gedeckt aus Holz oder selten offen aus Holz. Im Nebenwerk sind fast durchweg die 8`-
Register paarweise von C-H zusammengeführt. Interessant sind die tiefen Pfeifen (meist C-E, in Jessen 1868 aus Platzgründen sogar C-A) der Violonbässe 16` im Pedal bei kleinen und mittleren Orgeln: Sie bestehen aus hölzernen Zwillingspfeifen: einem offenen 8`, auf dessen Vorderseite eine gedeckte 5 1/3`-Pfeife angeklebt ist (mit Windzuführung in der Pfeifenwand), und die zusammen einen sehr gut täuschenden 16`-Kombinationston ergeben.

Zungenstimmen treten nur in den größeren zweimanualigen und in den dreimanualigen Orgeln auf: zuerst Posaune 16` im Pedal, später Trompete 8` im Hauptwerk. Nebenwerke haben kaum Zungen. Profen hatte eigenartigerweise eine Vox humana 8` unbekannter Bauart im Oberwerk, die Eilenburger Bergkirche besaß eine Klarinette 8` (durchschlagend), sonst sind die 2. Manuale stets zungenlos. Bei dreimanualigen Orgeln hat nur das 2. Manual eine Zunge (Oboe 8`in Torgau), das 3. Manual nicht. Im Pedal kommt hier als 2. Zungenstimme Trompete 8` hinzu. Die Posaunen 16`im Pedal sind teilweise klassisch sächsisch gebaut: aufschlagend mit Holzbechern (z. B. Schweinitz 1876, Profen 1853), teilweise aber auch in der modernen durchschlagende Bauweise mit Zinkbechern (z.B. Eilenburg 1864, Jessen 1868, Tiefenfurth 1873, Krostitz 1875/76). Von den Hauptwerkstrompeten 8`ist diejenige in Eilenburg (1864) in französischer Bauweise aufschlagend gebaut mit sehr engen, am oberen Rand trichterförmigen Bechern in voller Länge, während die Tiefenfurther Trompete 8` (1873) durchschlagend in der Art einer Klarinette gebaut ist mit Bechern in 1/4 -Länge. Von ersterer sind ca. 15 überwiegend beschädigte Pfeifen, letztere vollständig mit Ausnahme eines Teils der Zinnbecher erhalten und gehören zu den sehr seltenen Zeugnissen vom Manualzungenstimmen aus dieser Zeit.

Bemerkenswert ist, dass der Orgelbauer Geißler - zu Beginn seiner Tätigkeit technisch und klanglich sehr fortschrittlich - im Alter zunehmend konservativ blieb. Obwohl am Ende des 19. Jahrhunderts Streicherschwebungen und ein füllig-mächtiger Tuttiklang fast schon zum Muss des modernen Orgelbaus gehören, finden sie sich bei Geißler nicht einmal ansatzweise (mit Ausnahme der wenigen Schwellwerke). Bis zuletzt behält Geißler seinen Klangstil mit relativ geringen Reminiszenzen an den Zeitgeschmack bei. Bemerkenswert ist, daß ab etwa 1880 sich die Intonation der Orgeln im Sinne der Spätromantik zu ändern beginnt: Die Intonation der Principale wird kraftvoller, aber auch härter, die Streicher erhalten mehr Schärfe, Terzen und Cornette werden kaum mehr gebaut, die selbständige Quinte wird mit Octave 2` zur Rauschquinte vereint. Der Klang der vollen Orgel wird dunkler, wuchtiger (z.B. Seyda 1881). Ab 1888 werden bereits ab 9 Registern 2 Manuale mit Bordun 16` und Principal 8`gebaut (Weidenhain, Wörblitz, Boragk), während die frühen gleichgroßen Orgeln nur 1 Manual mit Viola die Gamba 8` als größte offene Grundstimme haben (z.B. Schöna, Gorsdorf, Dörstewitz). Trotzdem behält Geißler selbst bei kleineren Orgeln den voll ausgebauten Principalchor bis zum Lebensende bei (z.B. Sitzenroda 1897). Modische spätromantische Register wie Konzertflöte, Aeoline und Vox coelestis baut er nie.

Die dem 19. Jahrhundert eigene Experimentierfreude ersetzte Geißler durch vorzügliche handwerkliche Arbeit und eine robuste, dauerhafte Funktionsweise seiner Orgeln. Kleinere Orgeln ähneln sich oft - Geißler hat hier bewährte Bauschemata wiederholt und dadurch Kosten gespart, ohne aber in Serienbauweise zu verfallen. Geißler war so der ganze Gegensatz seines Eilenburger Konkurrenten Schrickel, dem auf der Suche nach Neuartigem nichts heilig war - und der damit oft Lösungen schuf, deren Funktionssicherheit wenig befriedigte oder eben teuer war. Natürlich sind Schrickels oft exotisch anmutende Orgeln heute eine Fundgrube für Orgelinteressierte - für die Kirchgemeinden werden wohl eher Klang und Funktionssicherheit entscheidend gewesen sein. Dass die meisten größeren Orgelbauaufträge an Geißler gingen spricht zumindest dafür.

Insgesamt 120 Orgeln hat Conrad Geißler in seiner 45-jährigen Tätigkeit gebaut. Er gehörte damit zu den produktivsten Orgelbauern Sachsens (nach U. und R. Kreutzbach und neben C. E. Jehmlich und später H. Eule). Den Höhepunkt der Produktivität erreichte Geißler in den 1870-er Jahren. 1873 entstand seine größte und einzige neu erbaute dreimanualige Orgel in der Stadtkirche in Torgau mit 44 Registern auf 3 Manualen und Pedal. Der Großteil seiner Orgeln befindet sich um Delitzsch, Eilenburg und Torgau sowie im Landkreis Wittenberg (jeweils rund 30 Orgeln). Geißler lieferte aber weit über sien Einzugsgebiet hinaus. Orgeln von ihm standen und stehen im Leipziger und Grimmaer Gebiet, um Zwickau, bei Naumburg, Apolda, Cottbus, Dresden und Neuruppin, im heute polnischen Sorau und sogar eine Orgel in Russland. Neben nicht allzu vielen großen Orgeln baute Geißler vor allem mittlere und kleinere Orgeln für die Dorfkirchen; die kleinsten haben nur 4 Register auf einem Manual und angehängtem Pedal (Zemnick). Von diesen sind die meisten noch heute - überwiegend unverändert - erhalten, während die großen Stadtkirchenorgeln meist stark verändert oder ganz durch Neubauten ersetzt wurden (letzteres trifft für alle dreimanualigen Werke zu).

Umbauten und Reparaturen hat Geißler dagegen nur in wenigen Fällen durchgeführt. Auf diese wenig dankbaren Aufträge konnte er Dank seiner guten Neubauauftragslage verzichten (ähnlich wie die meisten großen Firmen, z. B. Kreutzbach und Jehmlich, aber auch schon Silbermann), während von Schrickel weitaus mehr derartige Arbeiten bekannt sind und andere damalige Orgelbauer - z. B. G. A. Friedrich Die Zahl der Mitarbeiter dürfte zweitweilig bis zu 15 erreicht haben. 1880 erwähnt er 10 Gesellen, 1881 hat er zeitweilig nur 8 Gesellen, nachdem 2 Gesellen zum Militätdienst eingezogen wurden. Die Werkstatt befand sich (spätestens seit 1863) in der Rinckartstraße in Eilenburg. Das Haus wurde im April 1945 zerstört. Die Werkstatt hatte bereits einen Saal, in dem die Orgeln komplett aufgebaut und vormontiert wurden. Das erspart einen Großteil der Arbeiten vor Ort, so dass die Aufstellung der Orgeln auf wenige Wochen verkürzt werden konnte - was Kosten sparte. Modern war Geißler hinsichtlich der Werbung. Erstmals 1879 (ergänzte Nachauflagen 1883 und 1890) ließ er ein Heftchen mit einem Verzeichnis aller seiner Orgeln und einem Bild der Torgauer Orgel drucken, welches er seinen Bewerbungen beilegte (jeweils um die neuesten Orgeln handschriftlich ergänzt). Seine Kostenangebote und Schreiben schrieb Geißler selbst in gediegener Ausdrucksweise und sauberer Schrift, die Kostenanschläge sind teilweise bis in Details ausformuliert und entsprechend lang. Für die Gehäuse, die er selbst fertigte, legte er farbige Zeichnungen bei (z. B. in Leipzig-Plaußig, nicht ausgeführt). Ein ebenfalls sehr moderner Service seit etwa 1890 war das Angebot einer Leihorgel für die Zeit der Aufstellung neuer Orgeln. Bei dieser Leihorgel könnte es sich um die heute in Mehlsdorf befindliche Orgel (I+P/5) handeln, die in allen Werkverzeichnissen fehlt und kein Frimenschild hat. Es wäre Geißlers 121. opus.

Größere Orgelneubauten ab 20 Register von Conrad Geißler:

- Profen, 1853, II/24
- Bad Schmiedeberg, Stadtkirche, 1855, II/26*
- Freyburg a.U., 1861, II/25
- Eilenburg, Bergkirche, 1863, II/22
- Großsärchen (mit Ladegast), 1867, II/21
- Jessen, 1868, II/21
- Cainsdorf, 1869, II/20
- Hartenstein b. Zwickau, 1870, II/24
- Kreischa, 1870, II/21
- Torgau, Stadtkirche, 1871-73, III/44
- Tiefenfurt (bei Bunzlau/Schlesien), 1873, II/23
- Leipzig-Thonberg (mit Rühlmann/Ladegast), 1873, II/23
- Klein Wanzleben, 1874, II/20
- Schweinitz, 1876, II/23
- Thum, 1877, II/29
- Mühlberg a.d. Elbe, 1887, II/25
- Thallwitz, 1897, II/21

Die Orgeln in Schweinitz und Thallwitz sind die einzigen größeren Orgeln, die unverändert erhalten sind. Umdisponiert, aber mit wesentlichem Klangbestand sind erhalten: Profen, Bad Schmiedeberg, Freyburg, Groß Särchen, Jessen, Cainsdorf, Hartenstein, Klein Wanzleben. Nicht umgebaut, dafür auseinandergenommen und desolat ist die hochinteressante Orgel der Eilenburger Bergkirche erhalten - sie wurde im Jahr 2000 restauriert. Technisch erhalten, jedoch mit überwiegend fehlenden Pfeifen ist die Orgel in Tiefenfurt erhalten. Völlig umgebaut ist die Orgel in Kreischa. Nicht erhalten sind die Orgeln in Torgau, Leipzig-Thonberg und Thum.

Bedeutendere Umbauten von Conrad Geißler (Auswahl):

- Schkölen, Stadtkirche, 1857, II/26
- Sorau, Stadtkirche (heute in Polen), 1880, III/45
- Eilenburg, Stadtkirche, 1883, III/44
- Bad Düben, Stadtkirche, 1894, II/25*
* bedeutet : 2 Manuale und Pedal mit 25 Registern

In den letzten Jahren von Geißlers Tätigkeit nahm die Zahl und Größeder neuerbauten Orgeln ab, obwohl der Konkurrent Nicolaus Schrickel 1893 starb; dies mag vor allem darin begründet liegen, dass etwa ab 1890 die große Firma Rühlmann in Zörbig mit ihren ausgereiften, modernen pneumatischen Systemen eine zunehmende Anzahl von Aufträgen an sich zog.

Geißler war verheiratet mit Auguste Itelena Ernstina Kaldrack und hatte (soweit nachweisbar) 5 Kinder - 4 Söhne, von denen (soweit nachweisbar) 3 ihren Vater nicht überlebten, und eine Tochter Margarete, die noch 1935 lebte (verheiratet Platen) und Kantorin in Eilenburg war.

Die Einweihung seines letzten opus 120 in Hohenroda bei Borna am 7.11.1897 erlebte Conrad Geißler nicht mehr - er starb bereits am 24.5.1897. Seine Werkstatt wurde geschlossen, der versuchte Verkauf an einen Nachfolger misslang.

Erhalten geblieben ist uns der größte Teil seiner Orgeln. Die meisten spielen zuverlässig bis heute, auch wenn Pflege und Wartung manchmal zu wünschen lassen. Ideal lässt sich auf Geißler-Orgeln romantische Musik des 19. Jahrhunderts darstellen: Mendelssohn-Bartholdy, Liszt, Schumann, Merkel, Rheinberger, Conrad Geißler muss zu den bedeutendsten Orgelbauern in Sachsen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gerechnet werden.

 

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