| Der Name
des kleinen sächsischen Dorfes
Weßnig im Kreis Torgau -
Oschatz, Gemeinde Pflückuff, ist
slawischen Ursprungs und stammt
höchstwahrscheinlich aus dem
altsorbischen Wort: V J A Z N I
K, Ort
- wo U l m e n wachsen. |
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| Der Name Weßnig
wird schon im Jahr 1215 in
Urkunden genannt. CODEX DIPLOMATICUS
SAXONIAE REGIAE I A 3
Urkunden der Markgrafen von
Meissen 1196 bis 1234
Urkunde
207, S. 153, 1215, den Juli 26.
und 30., als Zeuge: Otto de Wezenig
Urkunde 208, S. 154,
1215, den August 30., als Zeuge:
Otto de Wezenich
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Die
Weßniger Kirche wurde
achtundzwanzig Jahre später in
einer Urkunde vom
22. Juli 1243 erstmals
erwähnt.
Markgraf Heinrich
der Erlauchte schenkt dem
Jungfrauenkloster in Torgau, das
später nach Nimbschen bei Grimma verlegt
wurde, die Parochie Weßnig, die
Kirchen zu Torgau und Altbelgern,
das Dorf Polbitz und den See bei
Loßwig.
CODEX DIPLOMATICUS
SAXONIAE REGIAE II 15
Urkundenbuch der Stadt Grimma und
Kloster Nimbschen
Urkunde 249, S. 173
Obwohl
das Dorf Weßnig zu jener Zeit
keine Bedeutung hatte, wird im
Text dieser Urkunde, die
"parochia"
(Pfarrkirche) in Weznic, der
ecclesia (Kirche) in
Turgowe" vorangestellt.
Textauszug: "... parrochiam
in Weznic et ecclesiam in Turgowe
nec non ecclesiam in Antiquo
Belgere cum omnibus pertinenciis
ad casdem ecclesias spectantibus,
...".
Ein Indiz dafür, dass die
Weßniger Kirche schon vor dieser
Zeit eine Mutterkirche des Bistum
Meißen gewesen sein muss.
Markgraf Heinrich
der Erlauchte bestätigte die
Schenkung 1251 und Conrad, Bischof von
Meißen, unterzeichnete 1255 das
Patronatsrecht.
Das
Kloster hat das Patronatsrecht
ca. 300 Jahre lang ausgeübt.
Noch die Visitationsordnung von
1529 sagt: Ist des closters
zu Nimbschen Lehen.
Das
Kloster bezog aus diesen
Besitzungen Einkünfte an Geld
und materielle Abgaben.
Seit
dieser Zeit war die Torgauer
Kirche deutlich von der Weßniger
getrennt, denn Torgau gewann nun
zunehmend an Bedeutung, da die
Stadt zur wettinischen Residenz
wurde.
Die Weßniger Kirche verlor mit
der Zeit ihre Größe und
Bedeutung.
Später,
infolge der Reformation, hat der
Kurfürst das Patronat wieder an
sich genommen. In den
Visitationsberichten 1555 und
1575 heißt es: Ist
kurfürstliches Lehen,
desgleichen berichtet die
Lokalvisitation von 1577:
Collator der
Kurfürst.
Am
28. Oktober 1614 überläßt der
Kurfürst Johann Georg von
Sachsen dem Siegmund von
Berbisdorf zu Mittelseida und
Weßnig das bisher ihm
zustehend Pfarrlehen in dem von
ihm erkauften Rittergute Wesenick
in Ansehung seiner getreuen
Dienste als Erblehen.
Seitdem hatte der jeweilige
Rittergutsbesitzer das Patronat
über die kirchliche Institution
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| 1679 Christoph
Ehrenfried von Taubenheim
stiftete das jetzt noch
gebrauchte Taufbecken hiesiger
Kirche. Er war mit Christiane
Dorothea von der Pfordte aus dem
Hause Bennewitz verheiratet. |
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| An der Decke der
Kirche war ein Taufengel
befestigt, welcher das Taufbecken
gehalten hat und bei jeder
Taufhandlung herabgelassen wurde. 1696 / 97
fand ein Erweiterungsbau statt,
eine Emporkirche
"hinter" dem
Glockenturm. Durch den Anbau kam
der Turm in die Mitte. Seit 1602
war ein Uhrwerk angebracht.
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| 27. April 1704,
Schenkung der Gesamtausgabe von
Luthers Werken an die Weßniger
Kirche durch Hans Siegmund von
der Pforta, des damaligen
Patrons. |
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Diese 8 Theile
habe ich in die Kirche zu Weßnig
gäben,
den 27. April 1704.
Hans Siegmund von
der Pforta.
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| Sie umfaßt 8 starke
Bände, die in gepreßte, mit
biblischen Figuren ausgestattete
Schweinehaut und hölzerne Deckel
mit Schlössern eingebunden sind;
außen trägt sie als Aufschrift
den Namen Hans von
Selwitz und die Jahreszahl
1561. Innen ist sie mit den
kolorierten Wappen des von
der Pforta und des
von Selwitz geziert,
mit welchem die Familie von der
Pforta verwandt gewesen zu sein
scheint. |

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| Die Kirche war Ende
der 1790er Jahre dem Einsturz
nahe. Ein Indiz
über den damaligen schlechten
Zustand, kann man bei Schräpler
finden:
"Am
22. Juni 1799 erschien der Pastor
Riedel vor der Kircheninspektion
und reserierte, daß die
Schadhaftigkeit der Kirche und
des Turmes seit etlichen Jahren
so zugenommen habe, daß, wenn
nicht zu der Wiederherstellung
schleunig die wirksamsten
Anstalten getroffen würden,
durch den Einsturz der Decke und
des baufälligen Turmes, zumal
wenn es während des
Gottesdienstes erfolgen sollte,
das größte Unglück zu besorgen
sei und viele Menschen
totgeschlagen oder gefährlich
beschädigt werden könnten. Am
16. Juni sei, wie der ganzen
Kirchfahrt bekannt, frühmorgens
nach dem Einläuten, als der
Gottesdienst seinen Anfang nehmen
sollte, der an der Kirchdecke
aufgehängte Taufengel
herabgefallen, habe beide Arme
zerbrochen und noch andere
Beschädigungen erlitten. Ferner
getraue sich der Schulmeister auf
dem Turme nicht mehr zu läuten,
aus Furcht, daß die Glocken
herunterfallen und ihn tot
schlagen könnten. Es scheine
solches Unglück viel näher
bevorzustehen, als durch die im
Frühjahre gefallenen starken
Regengüsse die Decke ganz
erweicht und verfault sei
etc."
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| Es wurde 1803 mit
dem Neubau einer massiven Kirche
auf dem alten Platz begonnen, der
1804 beendet werden konnte. Das
Kirchengebäude war nun in der
Form eines Rechteckes angelegt,
nach Osten abgerundet für den
Altarraum. An der Westseite lehnt
sich ein 36 Meter hoher Turm an. Die Kirche
hatte zwei Glocken, eine große
von 1640 und eine kleine
Taufglocke, die 1702 von Michael
Weinhold in Dresden gegossen
wurde. Die große Glocke trägt
die Inschrift: "Segne, Gott,
mit milder Hand, was in der Asche
liegt und ist verbrannt, anno
1640." Den oberen Rand ziert
die Widmung: "Der hochedle,
gestrenge, feste und mannhafte
Hans von der Pforte auf Weßnig
und Puschwitz hat diese Glocke zu
Gottes Ehren der Kirche zu
Weßnig in Belgern gießen lassen
von Georg Schreiber und Joachim
Janke."
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Linkes
Bild:
Die Glocke von 1640.
Rechtes Bild:
2006, der Kirchturm hat heute
ebenfalls zwei Glocken.
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| 1827 / 28 wurde das
Dach ausgebessert und der
Turmkopf erneuert. 1819 wird
die Weßniger Kirche mit einer
Orgel von Flemming ausgestattet.
Am 10. August 1879
wurde die neue Orgel eingeweiht.
Sie ist ein Werk des
Orgelbaumeisters Conrad Geißler
in Eilenburg, bestehend aus 2
Manualen und 16 Registern.
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| Große Verdienste um
den Erhalt der Kirche erwarb sich
Louis Schlenker, der 1902 das
Rittergut kaufte und somit das
Patronat besaß. Er stiftete
der Kirche u.a. Buntglasfenster,
von denen ein heutiger Rest die
einstige Schönheit erahnen
lässt.
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Grabstätte
der
Familie Schlenker
in Weßnig
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| Während
des Ersten Weltkrieges
beschlagnahmte man die Taufglocke
zu Kriegszwecken. 1922
besorgten Pastor Heidemüller und
der Lehrer Julius Janz, der zu
dieser Zeit auch die Posten als
Kantor und Küster innehatte, aus
dem Torgauer Stahlwerk eine
gebrauchte 186 Kilogramm schwere
Bronzeglocke.
Der letzte
ortsansässige Pfarrer in Weßnig
hieß Otto Kunze, sein
Wirken war von großer
Menschlichkeit geprägt. 1945, in
den letzten Kriegswochen,
übernahm er die Führung der
Evakuierung der Weßniger
Bürger. Er sorgte dafür, dass
bei der Räumung des Heeres -
Verpflegungsmagazines von Torgau,
über 500 Kisten mit
Schweinefleischbüchsen nach
Weßnig gebracht wurden, entzog
sie damit dem Zugriff der
eintreffenden Amerikaner und
verteilte sie gerecht unter den
hungernden Einwohnern und
durchziehenden Flüchtlingen.
In den Jahren 1945 / 46 übernahm
er sogar das Amt des
Bürgermeisters.
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| 1967 verstarb der
Pfarrer Kunze nach schwerer
Krankheit. In den nachfolgenden
Jahren wurde die Weßniger Kirche
vernachlässigt, Orgel und
Buntglasfenster durch Kinderhand
zerstört. |
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| Das vermeintliche
Ende unserer Weßniger Kirche und
ihrer langen Tradition, erfolgt
in den 1970er Jahren. Die Kirche
wird aufgegeben und nicht mehr
genutzt. |
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Das Jahr
1991 - Der Neubeginn !
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1991, nach der
Wende, wurde mit der Sanierung
des Turmes begonnen, Treppe,
Dachboden und ein Teil des Daches
repariert.
Im Jahr darauf konnte die Kirche
mit einer restaurierten Turmkugel
bekrönt werden. |

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| Am 27. Juli
2003 wurde die
Idee des jetzigen Pfarrers Tobias
Krüger aus Belgern in die Tat
umgesetzt: Die
geschichtsträchtige, einst so
mächtige Kirche von Weßnig
wurde die erste Radfahrerkirche
Deutschlands ! |
| Die neue
Glocke wurde am
25. Januar 2004 eingeweiht. |

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| 02.05.2004
Signet-Verleihung
"Verlässlich geöffnete
Kirche" |
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| April bis Oktober
2006 Spendenaktion: AUS 2
MACH 3 |
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| 17.01.2007 Gründung
des Fördervereins "1.
Deutsche Radfahrerkirche
Weßnig" 2007,
Dachsanierung Kirchenschiff
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Quellen:
Geschichte der
Parochie Weßnig. Weßnig 1904 -
Pfarrer Gustav Paul Schräpler und der
Artikel in der Rubrik
Heimatgeschichte der Torgauer Zeitung vom
07.12.2001 / Hans Joachim Füssel
Für Sie bearbeitet von Margot
Weiß und Thomas Stippler |